Der Nahe Osten und seine Heldenfiguren – Der Iran-Irak-Krieg und die Reformbewegungen Ägyptens

Ein Gespräch mit der Teilprojektleiterin des Sonderforschungsbereich 948  Prof. Dr. Johanna Pink und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Olmo Gölz über Heldensemantiken und Heldenfiguren in arabisch-muslimisch geprägten Gesellschaften 
 
Prof. Dr. Johanna Pink ist Professorin für Islamwissenschaft und Geschichte des Islam an der Universität Freiburg. Zugleich ist sie die Leiterin des Teilprojekts D14 im Sonderforschungsbereich 948 Helden - Heroisierungen - Heroismen,  welcher sich aktuell in der zweiten Förderphase befindet. Im Rahmen des Teilprojekts forscht Frau Pink aktuell zur Semantik des Heroischen in arabisch-muslimischen religiösen Diskursen des 20. Jahrhunderts.
Olmo Gölz, Iranist und Islamwissenschaftler, verfasst im Rahmen des Teilprojekts unter der Leitung von Frau Prof. Dr. Pink seine Habilitationsschrift zum Thema Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg (1980-1988).
 
Seit Juli 2016 befindet sich der Sonderforschungsbereich 948 "Helden - Heroisierungen - Heroismen. Transformationen und Konjunkturen von der Antike bis zur Moderne" in seiner zweiten Förderphase. Als transdisziplinäre Einrichtung untersucht der SFB das Heroische als soziales Phänomen in einer kulturübergreifenden komparativ-diachronen und -synchronen Langzeitperspektive von der Antike bis heute. Sein besonderes Interesse gilt dabei den sozialen Ordnungen, die durch Heldenfiguren stabilisiert, aber auch in Frage gestellt werden. 
Die Islamwissenschaftler Prof. Dr. Johanna Pink und Olmo Gölz haben den Sonderforschungsbereich in der aktuellen Phase mit ihrem Projekt "Heroisierungsstrategien in Konflikten des Nahen Ostens seit den 1970er Jahren" um die Perspektive auf Heldensemantiken sowie –figuren in der arabisch-muslimischen Welt erweitert. Beide Forschungsvorhaben legen den Grundstein einer spezifischen Heuristik, die eine kulturübergreifende Analyse mit dem Nahen Osten und seinen Heldenfiguren beinhaltet.
Frau Pink untersucht in einer diachronen Detailanalyse die signifikanten Reformbewegungen Ägyptens ab den 1880er Jahren bis ins späte 20. Jahrhundert. Mit diesem Vorhaben, welches ebenfalls eine umfassende Exegese prominenter koranischer Termini integriert, möchte sie den Wandel hin zu einem aktivistischen Weltbild innerhalb arabisch-muslimischer Diskurse aufzeigen und begründen. Die Ursachen für eine solche Entwicklung vermutet sie in einer zunehmend auf den Koran ausgerichteten Semantik, die politische Ansichten erstmals mit islamischen Botschaften verknüpft und heroisch auflädt.
Herr Gölz legt mit seinem Projekt den Forschungsschwerpunkt auf die Dynamiken des Heroischen im Iran-Irak-Krieg von 1980 bis 1988. Er geht von der These aus, dass sich die beiden jungen Regime mittels individueller Heroisierungsstrategien durch den Krieg stabilisieren und seine Regenten an Autorität gewinnen konnten. Um diese Annahme zu stützen, untersucht er die jeweiligen heroisch aufgeladenen Diskurse um die Staatsmänner Saddam Hussein und Ruhollah Chomeini sowie deren Strategien, sich anhand von Heroisierungen in ihren Positionen zu festigen.
 
In einem Gespräch mit Chris Reding sprechen Prof. Dr. Pink und Herr Gölz über ihre Projekte und über die Notwendigkeit, arabisch-muslimisch geprägte Gesellschaften in Hinblick auf ihre durchaus bedeutsamen Heldendiskurse zu untersuchen. Der Beitrag geht dabei weit über eine wissenschaftliche Auseinandersetzung hinaus und setzt ebenfalls Themen wie die Genderproblematik mit dem Heroischen und damit unter anderem die Frage nach einer Frau als Heldin in den Mittelpunkt.
Hier gelangen Sie zum vollständigen Interview.
Die Podcasts im Einzelnen:
 
Gespräch mit Prof. Dr. Johanna Pink

 
Gespräch mit Olmo Gölz

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