Problematik des Heros-Begriffs und die Frage nach der Frau als Heldin

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  • hochgeladen 30. Januar 2018

Problematik des Heros-Begriffs und die Frage nach der Frau als Heldin
 
Das Konzept der Ehre und eine damit zusammenhängende heroische Aufladung findet sich vor allem in Verbindung mit Maskulinität und einem Appell an die männlichen Mitglieder islamisch geprägter Nationen. Dadurch stellt sich die Frage nach der Rolle der Frau innerhalb der islamischen Gesellschaft aber auch mit Blick auf die zu untersuchenden Heroisierungsstrategien. Frau Pink und Herr Gölz schließen eine Heroisierung der Frau im Islam aber keinesfalls aus, sondern sehen den Ursprung der allgemeinen Problematik mit dem Begriff des Heroischen in seiner unpräzisen und dadurch missverständlichen Verwendung, die zwangsläufig eine Geschlechterungleichheit zur Folge hat.
 
 
Prof. Dr. Pink: Die Diskurse, die ich für den Anfang des 20. Jahrhunderts beschreibe, sind von Männern an Männer gerichtet. Nichtsdestotrotz gibt es innerhalb dieser Diskurse  und der Frage der Reformen sowie der Entwicklung der Gesellschaften auch einen Diskurs über Frauen.
Dabei geht es sehr stark darum, dass die komplette Segregation von Frauen aufgehoben werden soll und dass Frauen Bildung erwerben können und dies in erster Linie, um ihren Männern ein vollwertiger Partner sein und ihre Kinder gut erziehen zu können. Mit der Auffassung, dass es nur eine starke Nation geben kann, wenn auch die Mütter stark sind, werden also durchaus heroisch aufgeladene, nationalistische Vorstellungen bedient. Diese Vorstellung, dass es die Rolle von Frauen ist, starke Mitglieder der Nation und im Kriegsfall natürlich auch Kämpfer zu erziehen, zieht sich bis heute durch.
Aber es ist sicherlich nicht so, dass es unmöglich ist, Frauen als Kämpferin zu heroisieren und somit als Heldin zu definieren. In der ägyptischen Muslimbruderschaft gibt es zum Beispiel auch Frauen, die trotz der Verfolgung standhaft gewesen sind, ihre Mitgliedschaft beibehalten und auch nicht verborgen haben sowie weiter für das Anliegen arbeiteten. Diese Frauen sind ganz klar heroisiert worden. Mit welchen Mitteln dies genau passiert ist und wie über sie geredet wird, ist tatsächlich bisher ziemlich schlecht untersucht.
 
Olmo Gölz: Es gibt aber auch Frauen, die tatsächlich sogar militärisch gefeiert werden. Es gibt einen eigenen Raum in dem Museum für Landesverteidigung in Teheran, da werden nur weibliche Märtyrer präsentiert und deren Rolle dargestellt.
Noch eine übergreifende theoretische Anmerkung zum Thema Helden und Gender: Es wird stets gesagt, 'sie kämpft wie ein Mann' oder 'sie steht ihren Mann'. Das heißt also, Frauen werden immer in Begrifflichkeiten der Maskulinität heroisiert. Diese Beobachtung würde ich jetzt verallgemeinern und eben nicht nur auf den Islam anwenden, sondern auch auf alle anderen Gesellschaften, die das Heroische kennen.
Bei mir stellt sich daher bereits auf der theoretischen Ebene die Frage, ob das Heroische nicht bereits in einer bestimmten Form gegendert ist. Und ob dieser Begriff eine Form oder ein Diskurs über die Ungleichheit zw schen Mann und Frau mit sich führt und ständig verstetigt in den Gesellschaften, die das Heroische kennen. Dass das Heroische an die Maskulinität geknüpft ist, ist eine Unterstellung von mir sowie ebenfalls, dass in dem Moment, wo ich sage, 'eine Frau ist eine gute Kämpferin' oder 'eine Frau ist an die Front gezogen', immer die Idee mitschwingt, dass sie es so gemacht, wie es von einem Mann zu erwarten wäre.
Das heißt also, dass das Heroische selber und hier müssen wir als Geisteswissenschaftler theoretisch aufpassen in sich bereits die Geschlechterungleichheit mit sich führt.
 

 
Prof. Dr. Pink: Zumindest die kriegerisch und kämpferisch konnotierte Form des Heroischen. 

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