Der Begriff des "sabr" in seiner passiven und aktiven Auslegung

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  • hochgeladen 30. Januar 2018

Der Begriff des "sabr" in seiner passiven und aktiven Auslegung

 

Mit den durch Muhammad ʿAbduh aktiv in die Öffentlichkeit gelangenden reformistischen Ideen, gewinnt auch der Begriff des "ṣabr" zunehmend an Bedeutung. Mit der semantischen Entwicklung dieses Begriffs lässt sich ebenfalls ein gesellschaftlicher Wandel erkennen. Frau Pink differenziert in Bezug auf die Verwendung dieses Begriffs zwischen einer passiven und einer aktiven Auslegung. 

 

Prof. Dr. Pink: Bei der passiven Bedeutung geht es sehr stark darum, dass ṣabr stets in engem Zusammenhang mit einem anderen Begriff gesehen wurde, der sich im Koran sehr häufig in den gleichen Versen oder in der Nähe des Begriffs ṣabr befindet, nämlich tawwakul. Das heißt so viel wie "Gottvertrauen", also dass man darauf vertraut, dass Gott es schon richtig macht. Die Idee dabei ist, dass Gott das Schicksal bestimmt und jener Mensch gut ist, der dieses vorherbestimmte Schicksal annimmt. 

Hier stellt sich natürlich die Frage, inwieweit heroische Diskurse in diesem Rahmen und mit Blick auf die Bedeutung dieses Begriffs überhaupt möglich sind. Ich gehe davon aus, dass sie möglich sein können, weil natürlich auch das Annehmen eines möglicherweise schweren, von Gott auferlegten Schicksals sehr heroisch gewertet werden kann. 

Einfacher ist es jedoch sicherlich, wenn man einen aktivistischeren Diskurs hat, wo es zunächst einmal an den Menschen liegt, ihr Schicksal in eine bestimmte Richtung zu lenken und Gott dieses dann belohnt oder eben nicht belohnt. Diese Idee findet sich ganz stark bei Muhammad ʿAbduh und auch bei Rashīd Riḍā. Beide gehen davon aus, dass der Mensch zwar nicht bestimmen und vorhersehen kann, was Gott macht, dass Gott aber bestimmte Gewohnheiten, also sogenannte sunnan, hat, die im Koran beschrieben sind. Diese besagen, dass Gott solche Völker bestraft, die sich der Lethargie und der Passivität ergeben und folglich nicht versuchen, sich zu verbessern. Auf der anderen Seite belohnt Gott jene Völker, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, indem sie zu lernen versuchen und nach Wissen streben. Bildung ist somit ganz zentral in den aktivistischeren Diskursen. Diese sind tatsächlich auch stärker dafür geeignet, Heldenfiguren hervorzubringen und dies spätestens an dem Punkt, wo der Diskurs mit der Idee des Kampfes verknüpft wird, was nicht zwingend der Fall ist, aber immer wieder passiert. 

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