Neues aus der Kultur WS21.22 02 Asch

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Prof. Dr. Ronald G. Asch
Der Streit um die symbolische Präsenz der Vergangenheit im öffentlichen Raum: Denkmalstürze in Großbritannien

Seit wenigen Jahren ist in vielen europäischen Ländern – freilich eher in den protestantischen des Nordens als den katholischen des Südens – ein Streit um Denkmäler und Straßennamen entbrannt. Sind Figuren der Vergangenheit, die einst als Helden gefeiert wurden, noch wert öffentlich erinnert zu werden, wenn ihre Taten und Worte nicht mehr unseren heutigen Wertvorstellungen entsprechen? In Großbritannien wird dieser Streit mit Blick auf Persönlichkeiten wie Cecil Rhodes, den Rand-Lord, aber auch auf Gladstone und Churchill besonders erbittert geführt. Die dunklen Kapitel der eigenen kolonialen Geschichte, die außerhalb akademischer Debatten im allgemeinen Bewusstsein früher eher weniger präsent waren, treten heute stärker in den Vordergrund, auch auf Grund der demographischen Veränderung der Gesellschaft durch Immigration. Aber man ist auch mit einem Streben nach absoluter moralischer Reinheit und mit einer Symbolpolitik konfrontiert, die dahin tendieren, Europa und den Westen für das Böse schlechthin in der Weltgeschichte zu halten. Zum Teil greifen auch einfach die „culture wars“ aus den USA auf Europa über. Der Vortrag setzt sich mit den Debatten und Konflikten in Großbritannien auseinander und fragt u.a. am Beispiel der Figur Oliver Cromwell, in welchem Maße wir Figuren der Vergangenheit an unseren Maßstäben messen können oder sollen, wenn es um ihre Denkmalwürdigkeit geht.

Ronald G. Asch war bis zu seiner Emeritierung im September 2021 Inhaber der Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit am Historischen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität. Er ist Mitglied der Philosophisch-Historischen Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften.

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