Zwischen Waldmärchen, Verschwörung und „Mutual Aid“ — alte und neue Waldnarrative in der Populärkultur

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  • uploaded June 19, 2026

Der Wald ist nicht mehr, was er einmal war. Das liegt aber nicht nur daran, dass Borkenkäfer, Hitzeschäden und Entwaldung immer wieder große Aufmerksamkeit erzeugen, sondern dass sich mit dem Topos „Wald“ ein Zeitmodell verbindet, was den großen, dunklen, dichten, vielleicht sogar Ur-Wald mit dem demgegenüber immer irgendwie kleineren, weniger bedrohlichen und doch noch mit dem Nimbus der Schönheit umgebenen Gegenwartswald kontrastieren. Doch nicht nur finden sich immer noch Spuren der Waldmärchen und -mythen sowohl im Sinne von Erzählformen als auch von Unwahrheiten unter den Kronen mächtiger, tatsächlicher Gewächse, im Zeichen eines Walddiskurses, der sich für die Handlungs- und Kommunikationsfähigkeit, vielleicht sogar ein produktives interspezies-Netzwerk im Boden interessiert, gewinnen sie ganz neue Aktualität. Bäume, die sich gegenseitig helfen, werden hier zu Vorbildern einer besseren Gesellschaftsform, zu Trägern einer Zukunft, die direkt aus tiefenzeitlicher Vergangenheit in die Gegenwart zu reichen scheint. Doch genau hier birgt der Wald einmal mehr Gefahren – von Missverständnissen, Verantwortungsdiffusion und, leider auch, von reduktionistischem Übereifer. Denn auch wenn manche „Theorien“ vielleicht in den Bereich der Märchen gehören, ein Wald ohne Geschichten macht keinen Sinn. Dieser Vortrag wird vor dem Hintergrund literarischer und popkultureller Wald- und Baumnarrative beleuchten, in welcher Beziehung Wald, Märchen und Mythen zueinanderstehen und wie sie gemeinsam zu einer bio- und mythodiversen Zukunft beitragen können.

Referent/in:

PD Dr. Solvejg Nitzke (Ruhr-Universität Bochum)