Neues aus der Kultur WS21.22 03 Fischer

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Prof. Dr. Dr. Michael Fischer
„Wacht auf, Verdammte dieser Erde!“ – Zum 150jährigen Jubiläum der Revolutionshymne „Die Internationale“

Seit es Lieder gibt, werden diese auch als Form des Protests benutzt. Lieder kritisieren soziale und politische Missstände, fordern Partizipation und Gleichberechtigung ein – oder stellen sich in den Dienst staatlicher Propaganda.
Ein eigenes Genre stellen diejenigen politischen Lieder dar, die in der Tradition der Französischen Revolution von 1789 stehen. Zu dieser Gattung gehört auch die „Internationale“, ein Gesang, den Eugène Pottier im Umfeld der Pariser Kommune im Jahr 1871 geschaffen hat. In Deutschland ist dieses Lied seit 1900 verbreitet und spielt im Selbstverständnis der Sozialdemokratie ebenso wie bei kommunistischen Strömungen eine große Rolle – bis in die Gegenwart hinein.
Durch die Erfahrungen des „real existierenden Sozialismus“ in der DDR, der Sowjetunion oder China wurde die Revolutionshymne zwar diskreditiert – aber dennoch leuchtet in der „altmodisch pathetischen Hymne“ noch immer „der humanistische Glutkern der Revolution“ auf, „die Hoffnung auf Freiheit, auf Gerechtigkeit und Humanität,“ wie Wolf Biermann meinte. Und tatsächlich sind die von Pottier kämpferisch artikulierten Ideale keineswegs überholt, sondern formulieren auch 150 Jahre später eine bleibende und nur in einem internationalen Rahmen zu lösende Aufgabe.

Michael Fischer ist Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Populäre Kultur und Musik der Universität Freiburg und Honorarprofessor an der Hochschule für Musik Freiburg.

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