Neues aus der Kultur WS21.22 01 Schwarze

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Prof. Dr. Michael Schwarze
Diesseitiges Jenseits: Überlegungen zum Zeit-Raum in Dantes Göttlicher Komödie“ 

Die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri, dessen Tod sich in diesem Jahr zum 700. Male jährt, erzählt in 14233 Versen und 100 Gesängen von der Vision einer Jenseitsreise, deren Ausgangpunkt auf den Karsamstag des Jahres 1300 zu datieren ist. Im Zentrum der Inszenierung dieses die Grenzen der geschichtlichen Welt überschreitenden Unterfangens stehen die Abenteuer eines lebendigen Menschen, der ebenfalls den Namen ‚Dante‘ trägt. Diese Figur trägt gewissermaßen die geschichtliche Welt des Diesseits in die jenseitigen Reiche von Hölle, Läuterungsberg und Paradies. Es resultiert aus dieser Grundkonstellation für die Commedia ein raum-zeitlicher Kosmos besonderer Art, in dem das das Verhältnis von Diesseits und von Jenseits permanent zur Diskussion steht. Der Vortrag zeigt, wie Dantes Text dieses Verhältnis entwickelt. Er vertritt die These, dass wir es bei der „Göttlichen Komödie“ mit einer Jenseits-Konstruktion zu tun haben, die Diesseitiges und Jenseitiges zu einem spezifisch literarischen Zeit-Raum verbindet. Die Besonderheit dieses Verfahrens besteht darin, dass es sich gleichermaßen aus den im Spätmittelalter geltenden Vorstellungen von der jenseitigen und der diesseitigen Welt speist, ohne einem der beiden Regime (im Sinne dualistischer Daseinsvorstellungen) den Vorzug zu geben.

Michael Schwarze ist Professor für Romanische Literaturen mit Schwerpunkt Italienische Literatur an der Universität Konstanz und seit 2021 Prorektor für Studium und Lehre an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

In Zusammenarbeit mit der Dante Alighieri Gesellschaft Freiburg e.V.

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