Medien Marktdesign zwischen Staat und Markt - Friedrich-August-von-Hayek-Vorlesung 2019

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  • hochgeladen 3. Dezember 2019

Mit Professor Achim Wambach hielt einer der wohl profiliertesten Wettbewerbsökonomen Deutschlands die diesjährige Friedrich-August-von-Hayek Vorlesung an der Universität Freiburg. In seiner Funktion als Vorsitzender der Monopolkommission und als Ko-Vorsitzender der Kommission „Wettbewerbsrecht 4.0“ gestaltet er Märkte in Deutschland aktiv mit und stellt sicher, dass sich Marktteilnehmer an die vorgegebenen Spielregeln halten. In seiner Vorlesung mit dem Titel „Marktdesign zwischen Markt und Staat“ machte er zu Beginn in Bezug auf Hayek deutlich, dass der Staat aus seiner Sicht schon allein dadurch in Märkte eingreife und reguliere, indem er diese schafft und die Regeln bestimmt. Dass solche schließlich effizient und im Sinne der Ziele des Staates funktionieren, daran habe, so Wambach, die ökonomische Methodik des Marktdesigns entscheidenden Anteil. Im Unterschied zur Ordnungspolitik, die sich in erster Linie mit einer Negativkorrektur, etwa der Unterbindung von Marktmacht befasst, beschäftigt sich Marktdesign mit individuellen Märkten – hinterfragt und gestaltet die Spielregeln also in einem spezifischen Markt, erläuterte Wambach. Damit lassen sich politisch vorgegebene Ziele wie etwa die regionale Sicherstellung der Versorgung einerseits wettbewerblich erreichen, andererseits verbleiben Märkte weiter als Entdeckungsverfahren organisiert. Darüber hinaus lässt sich außerdem das Schaffen der Märkte selbst als Entdeckungsverfahren verstehen. Die Methodik des Marktdesigns findet somit in drei übergeordneten Bereichen Anwendung.

Erstens, wird Marktdesign grundsätzlich beim Schaffen von neuen Märkten erforderlich. Denn je nachdem wie Regeln ausgestalten sind, lassen sich sehr verschiedene Ergebnisse erzielen. Dies wird etwa bei Auktionen deutlich, die entweder „Englisch“ oder „Holländisch“ durchgeführt werden können. Die erzielten Preise weichen nicht selten erheblich voneinander ab, je nach Format. Ein Einzelfallansatz ist also zwingend erforderlich, um das geeignete Instrument für einen Markteingriff zu identifizieren. So muss der Marktdesigner gewissermaßen als ökonomischer Ingenieur unter Berücksichtigung theoretischer Überlegungen und experimenteller Forschung die Detailfülle einzelner Märkte in die Ausgestaltung miteinbeziehen, erklärte Wambach. In der öffentlichen Beschaffung, bei öffentlichen Ausschreibungen oder bei der Versteigerung von Staatsanleihen und Mobilfunkfrequenzen fände Marktdesign bereits erfolgreich Anwendung. Bei Stau- und Citymautmodellen oder durch Ausschreibungen von Slots für Starts und Landungen an Flughäfen ließen sich allerdings noch Pareto-Verbesserungen realisieren.

Zweitens, bedarf es in Märkten ohne Geldflüsse spezifische Zuteilungsregeln für stabile Allokationen. Wie kann etwa sichergestellt werden, dass öffentliche Leistungen im Bildungs- oder Gesundheitssystem nicht vom Einkommen, sondern ausschließlich von den Präferenzen und Bedürfnissen der Betroffenen abhängen? Stabile Verteilungen werden heutzutage vermehrt durch Algorithmen ermittelt, die verstärkt explorativ ermittelte Präferenzen der einzelnen Marktteilnehmer miteinbeziehen. Schließlich erhöht eine transparent getroffene Zuteilung die Akzeptanz unter den Beteiligten, so Wambach.

Drittens beobachtet Wambach ein zunehmendes Bedürfnis der Politik, in bestehende Märkte einzugreifen. Diesen Bereich des Marktdesigns sieht er am kontroversesten. Beispiele sind die Meisterpflicht, die Mietpreisbremse oder die Preisbindung bei verschreibungspflichtigen Medikamenten. Letztlich bemisst sich die Notwendigkeit solcher Schritte an der Prämisse, dass ein Marktergebnis nicht ausreichend oder zufriedenstellend ausfällt. Zwei Szenarien sind dabei denkbar. Entweder handelt es sich um ein relevantes Schutzgut, welches verdrängt werden könnte, etwa das Kulturgut Buch oder die regionale Versorgung durch Apotheken, oder es liegt eine Art von Marktversagen vor. Ein Eingriff in den Markt ist dann erforderlich, wenn das gewünschte Ergebnis so am besten erreicht werden kann und der Eingriff verhältnismäßig bleibt. Marktkonforme Lösungen wie etwa „Negativauktionen“, sprich Subventionen für den günstigsten Anbieter der eine gewünschte Leistung anbietet, sind auch hier zu bevorzugen.
Montag, 18.11.2019 18:30 Uhr
Aula der Universität Freiburg, KG I, Platz der Universität, 79098 Freiburg
Walter Eucken Institut

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