Neues aus der Kultur WS21.22 04 Kotthoff

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Prof. Dr. Helga Kotthoff
Gendern auf Teufel*in komm raus? – Sprachreformen zwischen berechtigtem Anliegen und bedenklicher Symbolpolitik

Kaum ein Tag vergeht in den Medien ohne Veröffentlichung eines Beitrags zum Gendern. Fahrenholz und Riehl diskutieren beispielsweise in der SZ vom 19./20. 6. 21, wie und ob Gendern eine Rolle im Wahlkampf spielen wird. Oh ja. Und wie! Die AfD und Friedrich Merz möchten es verbieten, bei den Grünen ist hingegen das gesamte Programm durchgesternt.
Ich werde im Vortrag kurz die Geschichte dieser um gleiche Repräsentanz der Geschlechter bemühten Sprachreform aufrollen und Einblick in die linguistische und kognitionspsychologische Forschung dazu geben. Dann widme ich mich der Pro- und Kontra-Kontroverse, die kaum Zwischentöne zu kennen scheint und auf beiden Seiten mit Verkürzungen arbeitet, von denen ich einige aufzeigen möchte. So ignoriert die Kontra-Seite (Eisenberg 2018) die Ergebnisse der Forschung zu Erstassoziationen bei Personennennungen in Kurztexten, und die Pro-Seite überbewertet diese Ergebnisse so erheblich, dass sie bei Sprachdeterminismus landet. Außerdem schreiben sich sozialsymbolische Aufladungen in verschiedene Stile des Genderns ein, auf die ich ebenfalls eingehen werde (Kotthoff 2020).

Eisenberg, Peter (2018): Finger weg vom generischen Maskulinum. Tagesspiegel 8. 8. 2018.
Fahrenholz, Peter/Riehl, Katharina (2021): Griff nach dem Stern. Süddt. Zeitung, 19./20. 6. 2021
Kotthoff, Helga (2020): Gender-Sternchen, Binnen-I oder generisches Maskulinum, … (Akademische) Textstile der Personenreferenz als Registrierungen? Linguistik Online, 103(3), 105–127. https://doi.org/10.13092/lo.103.7181

Helga Kotthoff war bis zu ihrer Emeritierung Inhaberin der Professur für Deutsch als Fremdsprache am Deutschen Seminar (Abteilung Germanistische Linguistik) der Universität Freiburg.

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