Freiburger Wintervorträge WS 20.21 02 Aurnhammer

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  • hochgeladen 11. November 2020
  • Prof. Dr. Achim Aurnhammer (Deutsches Seminar – Neuere deutsche Literatur)
    Schillers Schädel in Goethes Hand.
    Das Terzinengedicht „Im ernsten Beinhaus war’s“ im Kontext von Goethes Gedächtnis-Poetik und -Politik

    Mit Schillers Tod am 9. Mai 1805 endet die bedeutsame Allianz mit Goethe und das Jahrzehnt ‚gemeinschaftlichen‘ Arbeitens und die von den beiden führenden Dichtern Deutschlands geprägte Epoche, die als ‚Weimarer Klassik‘ bezeichnet wird. Das Nachleben Schillers in Goethes Denken und Dichten ist gut dokumentiert, und Goethes literarische Verarbeitungen seiner Verlusterfahrung in Form poetischer Reaktionen auf den Tod des Freundes sowie brieflicher und mündlicher Äußerungen sind hinlänglich erkundet. Allerdings beschränken sich die meisten Studien bislang auf zwei Aspekte, nämlich auf Goethes Trauerarbeit und auf die strittige Authentizität von Schillers Schädel. In dem Vortrag über Goethes Gedicht Bei Betrachtung von Schillers Schädel geht es aber weder um Goethes „befremdliche Teilnahmslosigkeit“ (Albrecht Schöne) noch um die Echtheit des Schädels, den Goethe im September 1826, als er das Gedicht schrieb, in der Hand hielt. Vielmehr wird aus dem Blickwinkel der Autorschaftsinszenierung paradigmatisch untersucht, wie Goethe seine subjektive Trauer poetisch objektiviert, wie er die private Freundschaft nachträglich zu einem epochalen Ereignis historisiert und verklärt und so der Goethe-Schiller-Kanonisierung als epochemachender Dyade vorarbeitet.

    Mit einer Rezitation von Gregor Biberacher

    Referent/in:

    Prof. Dr. Achim Aurnhammer (Deutsches Seminar – Neuere deutsche Literatur)


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