Die Donaumonarchie Österreich-Ungarn

Schon die Zeitgenossen wussten nicht recht, was sie von diesem Staat halten sollten. War es ein “Völkerkerker”, in dem unterdrückte Nationen sich nach Befreiung in eigenen Staaten sehnten oder war es ein Musterbeispiel für friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Sprachen und Kulturen? War der Kaiser Franz Joseph ein Relikt aus früheren Zeiten oder ein wohlwollender und gerechter Herrscher aller seiner Untertanen? Arbeitete die Verwaltung in diesem Reich effektiv oder schlampig? War der Staat modern oder rückständig? Und war dieses Gebilde unausweichlich früher oder später zum Untergang verurteilt oder war es ein Vorläufer der heutigen EU und hätte vielleicht eine große Zukunft gehabt, wenn man es nicht im 1. Weltkrieg zu Grunde gerichtet hätte? Die Vorlesung wird ganz bestimmt auf all diese Fragen keine eindeutigen Antworten liefern. Aber sie wird viel Stoff zum Nachdenken bieten über die geschichtliche Entwicklung in der zweiten Hälfte des 19. und am Beginn des 20. Jahrhunderts. Sie wird Einblicke geben in das System der europäischen Mächte in dieser Zeit, die Entwicklung von Nationalismen, den Umgang mit den Juden, die Auseinandersetzungen zwischen monarchischem und demokratischem Prinzip, in Industrialisierung und soziale Frage, den Ausbau des Verkehrswesens und der Gesundheitsfürsorge, in die Entwicklung von Justiz und Verwaltung, Militärwesen und Kriegführung. Sie wird europäische Regionen behandeln, von deren Geschichte man sonst kaum etwas erfährt. Und natürlich wird sie auch auf das reiche Erbe eingehen, das die Donaumonarchie in Wissenschaft und Kultur, in Literatur und Musik hinterlassen hat und das ihm bis heute so viele Freunde sichert. Der Schwerpunkt der Vorlesung wird auf der Zeit von 1867-1918 liegen, aber auch die Vorgeschichte soll ausreichend erläutert werden.

 

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Austro-hungarian_coat_of_arms_1914.svg
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